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Notizen & Neues 2016

Aachen gedenkt Lina Holländer aus Eschweiler

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 19 Jun 2016
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- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Aus den USA und aus Israel waren eigens Nachkommen überlebender Verwandter angereist, um dabei zu sein, als der Kölner Künstler Gunter Demnig am 15. Juni in Aachen 23 so genannte Stolpersteine verlegte, zum Gedenken an Juden, die in der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. Einer dieser Gedenksteine (siehe Foto) liegt nun vor dem Haus Roonstraße 23. Dort lebte von etwa 1935 bis 1938 Lina Holländer, die Witwe von Joseph Holländer. Beide stammten aus Eschweiler.

Lina Holländer kam am 28. Februar 1869 in Eschweiler zur Welt; in ihrer Geburtsurkunde steht Carolina als Vorname. Als 26-Jährige heiratete sie 1895 ihren Cousin, den zwei Jahre jüngeren Joseph Holländer – eine Verbindung zwischen den beiden Eschweiler Holländer-Dynastien, die möglicherweise wirtschaftliche Gründe hatte. Jedenfalls schreibt der aus Eschweiler stammende Julius Kaufmann-Kadmon (1887 – 1955) in seinen Lebenserinnerungen: „Lina hat ihren Vetter Josef angeblich deshalb geheiratet, weil Moses Holländer für seinen Schwager Benjamin einstand, als dessen großes und gut versichertes Lumpenlager abbrannte.“ Er wisse aber nicht, ob das so stimme. Benjamin war der Vater von Lina Holländer, der erwähnte Moses Holländer aus Eschweiler-Röhe der Vater ihres Ehegatten.

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Joseph Holländer sei „wie eine Lawine mal oben und mal unten gewesen“, erinnert sich Julius Kaufmann weiter, was wohl bedeutet, dass er als Eisen- und Schrotthändler wirtschaftlich mit wechselndem Erfolg agierte. Lina und Joseph Holländer wohnten zunächst in der Burgstraße 41 in Eschweiler-Röthgen, wo auch ihre fünf Kinder zur Welt kamen. Etwa 1905 zog die Familie nach Aachen. Bis zum Tod von Joseph Holländer 1935 lebte die Familie in der Mozartstraße, die Witwe zog dann in das Haus Roonstraße 23 (siehe Foto). Am 15. September 1938 zog sie um, in das Israelitische Altersheim Kalverbenden in Aachen.

Knapp vier Jahre später, am 25. Juli 1942, mussten alle dort noch lebenden Bewohner dieses Altersheim verlassen. Sie wurden in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Es war nicht die Endstation. Am 26. September 1942 wurde Lina Holländer zusammen mit 2003 weiteren meist alten und kranken jüdischen Frauen und Männern von Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka gebracht und dort – wahrscheinlich direkt nach dem Eintreffen des Zugs wenige Tage später – ermordet.

Von drei der fünf Kinder, die dem Ehepaar Holländer zwischen 1896 und 1902 geboren wurden, sind die Lebensdaten bekannt. Alle drei konnten der Judenvernichtung entkommen. Erich Holländer, geboren 1897 und Gründer eines heute noch existierenden Eisenwerks, überlebte die NS-Zeit in wechselnden Verstecken in den Niederlanden. Er starb 1972 und liegt in Heerlen begraben. Die 1900 geborene Dina Holländer, die sich später Ilse nannte, heiratete den aus Krefeld stammenden Aachener Mediziner Otto Wallerstein. Gemeinsam mit ihren Kindern emigrierten die Wallersteins 1938 nach New York. Der 1902 geborene Eugen Holländer konnte ebenfalls in die USA entkommen, er lebte zuletzt in Palo Alto, Kalifornien.

 

 

Zuletzt geändert am: 19 Jun 2016 um 20:11:15

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