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Notizen & Neues 2014

„Ehrenhaft in allem, was er tat, wohltätig und hilfsbereit“

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 03 Sep 2014
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Meyer galt in der Bevölkerung als ebenso fromm wie wohltätig. In allen Kreisen der Eschweiler Einwohnerschaft, ohne Unterschied des Bekenntnisses, habe er hohe Achtung und allgemeines Vertrauen genossen, schrieb der „Bote an der Inde“ damals und würdigte den am 1. September 1914 Verstorbenen weiter: „Er war ehrenhaft in allem, was er tat, wohltätig und hilfsbereit, wo immer er konnte, still und stetig ein Gerechter ohne Arg und Falsch.“

Seit dem Bau der Synagoge in der Moltkestraße 1890 war Meyer Vorsteher der Eschweiler Synagogengemeinde, er leitete die Wohltätigkeitsvereine der Gemeinde, war Schulinspektor der jüdischen Schule am Langwahn und „weit über Eschweiler hinaus als unermüdlicher Vertrauensmann der großen jüdischen Hilfseinrichtungen“ tätig. Auch außerhalb der jüdischen Gemeinde nahm Marcus Meyer viele Ehrenämter wahr, unter anderem für die Handelskammer, im Vorstand eines „Vereins zur Wahrung gewerblicher und gemeinnütziger Interessen“ und im Vorstand des „Vereins zur Fürsorge für entlassene Gefangene“.

Acht Kinder hatten Marcus Meyer und seine Frau Jettchen: die sechs Töchter Paula, Rosa, Johanna, Berta, Lina und Martha und die beiden Söhne Friedrich Andreas und Moritz. Friedrich Andreas, genannt André, war eng befreundet mit der Dichterin Elsa Lasker-Schüler, seine Tochter Chana Kaplun-Kogan hat früher öfter Eschweiler besucht. Der Sohn von Moritz, der 1998 in Israel gestorbene Hans Jochanan Meyer, hatte viele Freunde in Aachen und Eschweiler.

Der Bericht der Lokalzeitung "Bote an der Inde" über die Beerdigung von Marcus Meyer vor 100 Jahren endete mit dem Satz: „Sein Andenken wird in Ehren bleiben“. Keine 30 Jahre später kamen die Nationalsozialisten an die Macht, da war es mit der Ehre vorbei. Das Grab von Meyer wurde wie alle anderen Gräber auf dem jüdischen Friedhof an der Talstraße eingeebnet. Das von einem seiner Söhne geführte Geschäft wurde „arisiert“, die Kauffrau Elsa Baum aus Köln übernahm es und versicherte in einer Zeitungsanzeige, nun könnten auch Arier dort unbedenklich einkaufen. Seine Kinder, Enkel und Urenkel wurden verfolgt, und wer von ihnen es nicht schaffte, rechtzeitig zu fliehen, wurde ermordet – seine Tochter Paula und ihr Mann Leopold am 28. Mai 1943 im Vernichtungslager Sobibor, seine Tochter Berta und ihr Mann Salomon am 30. April 1943 ebenfalls in Sobibor. Auch sechs Enkelkinder, zwei Urenkel und weitere Verwandte wurden in Auschwitz und in Sobibor umgebracht.

Nachkommen von Marcus Meyer leben heute im niederländischen Alkmaar und in Amsterdam, in Lissabon, London und New York, in Jerusalem und vielen anderen Orten Israels. Aber nicht mehr in Eschweiler.

Zuletzt geändert am: 03 Sep 2014 um 12:44:41

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